Faschingspredigt von Pfr. Eschenbacher

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Lesung: Jes 49,14-15

„Kann denn eine Mutter ihren leiblichen Sohn vergessen? Und selbst wenn… ich vergesse dich nicht – Spruch des Herrn“

Evangelium: Mk 6,24-34

„Macht euch keine Sorgen… Euer himmlischer Vater weiß, was ihr braucht. Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen.“

Liebe Schwestern und Brüder!

Jetzt in der Faschingszeit, das ist bekannt

haben die Narren das Zepter in der Hand.

Ob in der Büttensitzung oder beim Umzug mit `nem Wagen,

der Narr darf frei und ungeniert seine Meinung sagen.

Und auch der Pfarrer überlegt, ob er’s nicht wieder mal probiert,

und seine Predigt heut, in Reimform präsentiert.

Doch in diesem Jahr – das will ich offen meinen,

fällt‘s mir schwer, mir was zusammenzureimen.

Denn Populismus, Hass, Neid, Abschottung… und alle solche Sachen,

kurz: was in der Welt grade so passiert – da kann ich mir nur schwer einen Reim drauf machen.

Modern wär – ich könnt’s ja wirklich einmal wagen,

einfach einen Text zu sagen…

wie: Alle, die nicht Christen sind, sind schlecht. Wer keine Kirchensteuer zahlt, kommt in die Hölle. Gegen die müssen wir uns abschotten. Macht die Kirchentür zu, wir bleiben unter uns. Wir sind der Heilige Rest, zuerst kommen wir!!!!

Am Schluss dann würd ich, da seid ihr ganz schön geleimt,

einfach sagen: „na, das hat sich doch jetzt wunderbar gereimt!“

Ihr würdet sagen: „Moment mal, da war kein einz‘ger Reim dabei, jetzt echt!“

Dann würd ich einfach sagen: „Ihr lügt! Und ich hab Recht!“

Ich bin kein Pessimist, doch was mir wirklich stinkt,

ist dass unsre Welt, Schritt für Schritt ins Chaos sinkt.

Woher kommt das, das frage ich mich ganz gezielt,

ich glaub das ist so, weil der Mensch sich mehr und mehr wie Gott aufspielt.

Ich brauche keinen Herrgott sagen viele und deuten dabei auf sich,

Gott ist nicht im Himmel, nein Gott – das bin ich.

Ich komm zuerst, ich bin die erste Wahl,

wie`s den andern geht, das ist mir egal.

Das ist die Ursünde, schaut in die Heilige Schrift hinein,

wenn der Mensch so wie Gott will sein.

Wenn der Mensch sich zum Gott macht, nimm die Bibel und lies,

da steht‘s: dann vertreibt er sich selbst aus dem Paradies.

Wenn Menschen sich wie Götter aufspielen, hier auf Erden,

dann führt das unweigerlich ins Verderben.

Diese Erfahrung, wer hätt’s gedacht,

hat schon das Volk Israel in der Wüste gemacht.

Als Mose auf den Berg geht und die Gebote Gottes empfängt, also die sind da noch weit weg,

erschafft sich das Volk ein goldenes Kalb, zu dem einen Zweck,

um das anzubeten, was es selbst gemacht hat, um darauf zu schwören,

anstatt auf Gott und seine Gebote zu hören.

Hybris, Raffgier, Egoismus, sich einigeln und verschanzen,

das sind die goldenen Kälber, um die wir heute tanzen.

Doch wie, so fragen wir uns wohl alle grad naus,

kommen wir denn jetzt wieder aus dem Schlamassel raus.

Das ist eigentlich nicht so schwer, wir müssen nur ins Evangelium schauen,

Jesus rät uns da ganz einfach – GOTTVERTRAUEN.

Damit jetzt kein Missverständnis unter uns einreißt,

sag ich kurz, was Gottvertrauen heißt.

Es bedeutet, das sei zunächst mal gesagt, mitnichten,

ich leg meine Hand in den Schoß und Gott wird’s schon richten.

Und es bedeutet auch nicht: ich muss nur viel beten,

den Rest wird dann der liebe Gott schon regeln.

Nein – sich ganz nach Gott ausrichten, sein Leben auf IHN aufbauen,

und überzeugt davon sein: dann wird’s gut – das ist Gottvertrauen.

Genau das haben wir im heutigen Evangelium gesehen,

„euch aber muss es um SEIN Reich und SEINE Gerechtigkeit gehen“.

Nun kann es passieren, dass ich mich selbst belüge,

und mir einen Gott nach meinem eigenen Bild zusammenfüge.

Das tun die Islamisten mit ihrem kranken Verhalten,

da muss Gott sogar für Terror und Gewalt herhalten.

Damit uns das nicht passiert, müssen wir auf den schauen, der am Kreuz hängt,

Jesus Christus – der weiß nämlich wie Gott wirklich denkt.

Der hat so viel Gottvertrauen – ich kann’s kaum verstehn,

dass er schlafen kann, wenn sein Schiff im Sturm droht unterzugehn.

Er hat eine so tiefe Verbindung zu Gott und redet mit IHM sehr viel,

Jesus weiß ganz genau, was Gott von uns will.

Und damit jeder weiß, wie Gott tickt, was er denkt,

hat Jesus uns zum Beispiel die Bergpredigt geschenkt.

Seit 3 Sonntagen hören wir jetzt aus dieser Rede – die uns manchmal verstört,

aber von Hass, Egoismus, Neid, Abschottung hab ich da noch nichts gehört.

Ganz im Gegenteil: Selig die Armen, selig die Frieden stiften heißt es da,

kehrt um und glaubt Gott, denn sein Reich ist ganz nah,

liebt eure Feinde, tut Gutes denen, die euch hassen, wie ihr wisst,

das will Gott, sagt Jesus, und: seid barmherzig, wie es euer Vater ist.

Geht respektvoll miteinander um, seid offen, baut keinen Zaun,

wer danach handelt und ganz tief daran glaubt, dass es geht – der hat Gottvertraun.

Denn dieser Weg Gottes, den uns Jesus zeigt – darauf hätt ich gewettet,

ist der Königsweg, der uns Menschen und diese Welt rettet.

Dann geht es nicht mehr darum, dass wir uns als Götter aufspielen,

sondern vielmehr darum, Gott und den Menschen zu dienen.

So brauchen wir uns keine Sorgen um die Zukunft zu machen, wie ich find,

denn dann sorgt Gott für uns, wie ein Vater und eine Mutter für ihr Kind.

Übrigens in der Lesung heut, ich weiß nicht ob es jeder verstand,

wurde Gott tatsächlich „Mutter“ genannt.

Gottvertrauen, das nehme ich heut für mich mit – ihr werdet lachen,

daraus kann ich mir nun wieder einen schönen Reim machen.

Wenn jeder sich nach Gott richtet, und tut, was ER spricht,

ja, dann wäre unsere Welt, wirklich ein Gedicht.

So liegt es an uns, das immer wieder umzusetzen,

und Gott wird die Energie, die uns dabei fehlt, sicher ersetzen.

Er ist Vater und Mutter für uns, vertrauen wir IHM in Jesu Namen,

jetzt, hier und heute, bis in Ewigkeit. Amen.

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