Gesegnetes neues Jahr

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Predigt zu Neujahr (Kurzfassung)

Liebe Schwestern und Brüder!
„Zeitenwende“ ist das Wort des Jahres. Es beschreibt auch diesen ersten Morgen des neuen Jahres treffend. Wir befinden uns in einer Zeitenwende, denn seit heute Nacht um 24:00 Uhr schreiben wir das Jahr 2023.
Doch wir spüren auch, dass wir in einer großen Zeitenwende, d.h. Umbruchsphase stecken, die im Grunde nicht nur unsere Gesellschaft, sondern die ganze Welt betrifft. Wir brauchen uns nur noch einmal ein paar Schlagworte des vergangenen Jahres vor Augen zu führen: Ukrainekrieg, Klimakrise, Inflation, Energiekrise, Pflegenotstand im Gesundheitssektor…
Viele Menschen schauen deshalb eher kritisch bzw. skeptisch in die Zukunft und auf 2023. Was wird es bringen, dieses neue Jahr?
Mein Blick fällt dabei auf das Evangelium von heute. Es schildert den Abschluss der Weihnachtsgeschichte – auch eine Zeitenwende; zunächst für Maria und Josef, denn ein Kind bedeutet immer eine Zeitenwende für eine Familie: Auf vieles Neues muss man sich gemeinsam einstellen. Die Geburt Jesu markiert aber auch eine grundsätzliche Zeitenwende, denn mit ihr beginnt unsere Jahreszählung: 2023 n. Chr. Doch nicht nur das: Maria und Josef lebten in instabilen und unsicheren Zeiten. Die Römer hatten das Land besetzt und pressten die Bevölkerung mit Steuern aus. Immer wieder kam es zu Unruhen und Aufständen, die blutig niedergeschlagen wurden. Es gab eine reiche Oberschicht und viele Arme – ein gesellschaftliches Pulverfass. Maria und Josef selbst lebten wohl in ärmlichen Verhältnissen und mussten sehen, wie sie über die Runden kamen. Wie wird es also weitergehen mit der kleinen Familie?
Damals, wie heute, also eine Zeitenwende und ähnliche Probleme und Krisen, die sich auftun. Wie gehen Maria und Josef damit um? Im Evangelium fallen mir zwei Situationen auf, die auch für uns heute hilfreich sein könnten.
Zum einen heißt es, dass Maria alles, was sich um die Geburt herum an Gutem ereignete, „in ihrem Herzen bewahrte“. Es war ja tatsächlich nicht alles schlecht. Trotz langer Suche gab es dann doch ein Lager, in dem die Geburt stattfinden konnte – wenn auch in einem Stall, aber es hat gereicht. Die Geburt verlief gut und sicher waren die beiden – Maria und Josef – sehr glücklich, als sie das Jesuskind in den Armen halten konnten. Dann die Hirten, die vorbeikamen; Menschen, die Anteil nahmen und von dem Ereignis sogar beschenkt wurden. All das hat Maria „in ihrem Herzen bewahrt“.
Darin steckt für mich der Impuls, nicht nur auf das Negative zu schauen, sondern auch auf das Positive, das mir täglich geschenkt wird. Es gibt so viel Schönes und Gutes, das mir täglich begegnet, das ich aber nicht so recht wahrnehme, weil ich es als selbstverständlich erachte – ist es aber nicht. Vielleicht gilt es in diesem Jahr darauf stärker zu achen, auf die kleinen und großen schönen und liebreizenden Ereignisse und Begegnungen und „sie im Herzen zu bewahren“. Sie können zum inneren Licht werden für mich, das mich durch die dunkle und düstere Zeit trägt.
Das zweite, was ich im Zusammenhang mit dem Evangelium benennen will, ist der Name, den die Eltern ihrem Kind geben: Jesus. Der Name ist Programm, denn „Jesus“ bedeutet auf Deutsch: „Gott rettet“. In der Bibel heißt es, dass der Engel den Namen genannt hatte, aber vielleicht war es auch eine innere Stimme und die Erfahrung der letzten Tage bei Maria und Josef, die zum Namen geführt haben. Denn schließlich haben sie erlebt, dass „Gott rettet“, wenn man ihm vertraut: sie haben den Weg nach Betlehem geschafft, trotz Schwangerschaft, die Geburt verlief gut, trotz widriger Umstände, Menschen standen ihnen unerwartet hilfreich zur Seite. Der Name des Kindes wäre da nur folgerichtig: Gott rettet.
Mit dieser Zuversicht dürfen auch wir das neue Jahr beginnen, trotz unsicherer Zeiten und widriger Umstände. Ich darf an einen Gott glauben, der rettet; das lässt mich vertrauensvoll ins neue Jahr gehen. So, wie Jesus bei Josef und Maria ist, so ist ER auch bei mir, ER, der mich immer wieder namentlich daran erinnert: Gott rettet. Ein Segen in dieser Zeitenwende, weil mir dieses Gottvertrauen Halt und Hoffnung schenkt.

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen ein gutes und gesegnetes neues Jahr 2023.

Pfr. Stephan Eschenbacher