Miteinander unterwegs: Ökumenische Palmprozession

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Stadtpfarrer Stephan Eschenbacher und Pfarrerein Doris Otminghaus beim bei der Abschluss-Statio der ersten ökumenischem Palmprozession 2013 an der Ritterkapelle.
Michael Derleth

Fünfte ökumenische Palmprozession am 09. April 2017 in der Kreisstadt

Ein vertrauensvolles und unkompliziertes Miteinander“ – so beschreibt der katholische Pfarrer Stephan Eschenbacher die Beziehung zwischen der evangelischen und katholischen Pfarrgemeinde in Haßfurt. Das zeigt auch die gemeinsame Palmprozession, die dieses Jahr bereits das fünfte Mal ökumenisch gefeiert wird.

Pfarrer Eschenbacher und die evangelische Pfarrerin Doris Otminghaus blicken zurück: Die Idee der gemeinsamen Palmprozession entstand im Kindergottesdienstteam der evangelischen Gemeinde. Denn bereits in früheren Jahren fanden im evangelischen Gemeindehaus am Palmsonntag parallel ZWEI Kindergottesdienste statt – ein evangelischer und ein katholischer. Wenn sowieso schon alle Kinder in einem Haus Wortgottesdienst feiern, könne dieser auch ökumenisch sein, so die Überlegung – ebenso wie die Prozession vor den Gottesdiensten. „Das war der Grundgedanke, der dann zu der jetzigen Feier führte “, erklärte Pfarrerin Frau Otminghaus.

Die erste Annäherung der Gemeinden war vor etwa 20 Jahren das ökumenische Osterfrühstück. „In dieser kurzen Zeit ist die Ökumene in Haßfurt zu einer selbstverständlichen Form des Feierns geworden“, erklärt die Pfarrerin. Nun verbindet es, wie auch der Palmsonntag, die Christen in Haßfurt.  Doch nicht nur die Palmprozession und das Osterfrühstück lassen sich ökumenisch gestalten. Auch der Ostergarten, der im Bibelturm stattfindet, ist eine große ökumenische Veranstaltung.

Manche Fragen waren bei der Vorbereitung der Ökumenischen Prozession zu klären: Wie vermittelt man den evangelischen Christen die Bedeutung der Palmzweigsegnung? An welcher Stelle wird das Evangelium vorgelesen? Welche Lieder werden gesungen?  Da es keine ökumenischen Lieder für die Palmprozession gibt, hat man sich schließlich für das Lied „Tochter Zion“ entschieden, das zwar aus der Weihnachtszeit stammt, aber den Einzug des Messias besingt.

Rückblickend stellt Pfarrer Eschenbacher fest, dass er die ökumenische Prozession sehr schön findet. „Dass sich alles so reibungslos eingespielt hat, liegt im Wesentlichen daran, dass sich unsere evangelischen Mitchristen sehr unkompliziert auf das katholische Formular einlassen konnten.“ Ein Beweis für ein sehr vertrauensvolles und unkompliziertes Miteinander der Konfessionen über Jahre hinweg in der Pfarrei Haßfurt.

Einen Wehmutstropfen gibt es aber doch: Ein gemeinsamer Gottesdienst ist leider nicht möglich. Dies scheitert an der für Katholiken vorgeschriebenen sonntäglichen Eucharistiefeier. Zu dieser sind evangelische Christen nicht eingeladen. Ebenso würde die katholische Kirche einer Teilnahme an dem evangelischen Abendmahl nicht zustimmen, so Pfarrerin Otminghaus. Pfarrer Eschenbacher betrachtet die Worte von Papst Franziskus als entscheidend, der sagte: „Eine Taufe, ein Herr, ein Glaube“. Hiermit übergibt Papst Franziskus dem einzelnen die Gewissensentscheidung, ob man als evangelischer Christ zur katholischen Kommunion gehen darf. Stadtpfarrer Stephan Eschenbacher hofft, dies noch zu erleben. Mit dem neuen Papst scheint sich hier einiges zu tun.

Die diesjährige ökumenische Palmprozession der katholischen und evangelischen Christen beginnt um 9:30 Uhr am Marktplatz vor dem Südportal der Stadtpfarrkirche. Die anschließenden Gottesdienste feiern die Gläubigen getrennt in Ritterkapelle und in der Christuskirche. Die Kinder treffen sich zum ökumenischen Kindergottesdienst im Gemeindehaus.

Text: Annkathrin Lurz und Albin Schorn.

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