4. Advent: Mit „guter Hoffnung“ schwanger gehen – ein Brief an Maria

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Bild: Jean Burger

Ausgehend von den biblischen Texten des Tages erscheint an jedem Sonntag in der Adventszeit ein geistlicher Impuls

In jener Zeit wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt… Der Name der Jungfrau war Maria. Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. (Lk 1,26-28)

Für den Impuls am 4. Advent habe ich einen fiktiven Brief an Maria verfasst.

Liebe… ja, wie soll ich dich eigentlich ansprechen? Maria, Gottesmutter, Heilige Jungfrau, Begnadete, wie der Engel… Ich bin kein Engel und am nächsten kommst du mir mit deinem Vornamen. So möchte ich dich ansprechen. Ich hoffe das geht für dich in Ordnung. Also…

Liebe Maria!

Es ist ja kurz vor Weihnachten, das heißt du bist hochschwanger. Ich stelle mir vor, dass du auf dem Weg nach Betlehem bist, zusammen mit Josef und dem Jesuskind im Bauch. Und sicher geht dir im Moment ganz viel durch den Kopf: Du denkst bestimmt an die bevorstehende Geburt und wie wohl alles werden wird. Du fragst dich sicher, wo ihr in Betlehem eine Bleibe finden könnt und was überhaupt aus eurer kleinen Familie wird. Schließlich war Josef gelinde gesagt „not amused“ über die Nachricht, dass du schwanger bist. Kurz: du hast im Moment ganz schön viele Sorgen und blickst auf eine unsichere Zukunft.

Du bist auf dem Weg nach Betlehem, weil Augustus es so angeordnet hat: ein Volkszählung steht an. Ja, wir Menschen wollen immer alles genau wissen, wollen alles in der Hand haben, alles einordnen und berechnen. Aber das geht nicht. Es ist nicht alles planbar.

Das merke ich jetzt auch. So gerne hätte ich – auch in diesem Jahr – Weihnachten wie immer gefeiert. Aber das geht nicht. Dieser Plan geht nicht auf. Auch wir leben in ungewissen Zeiten und der Blick in die Zukunft macht auch mir Sorge und ich frage mich wie du: Was wird wohl kommen, wie wird alles werden? Vieles verbindet uns also in diesen Tagen – sogar über Jahrtausende.

Und dennoch Maria, du bist mit dem Kind in „guter Hoffnung“, wie man so sagt. Was gibt dir eigentlich Hoffnung in schwerer Zeit? Was macht dich zuversichtlich?

Ich glaube es liegt zunächst daran, dass du empfänglich bist. So heißt es ja auch in der Bibel: „Die Jungfrau wird ein Kinde empfangen“. Empfänglich bist du, für das Kind, für das Jesus-Kind.

Deshalb frage ich mich: Bin auch ich empfänglich für Jesus? Was mache ich manchmal für einen Terz und Aufstand, wenn mein Handy keinen Empfang hat… das gab es zu deiner Zeit noch nicht – sei froh! Also, wen mache ich nicht manchmal alles Meschugge, damit ich Empfang mit meinem Handy bekomme; aber was tue ich für meine Seele, damit die empfänglich bleibt – für das Jesuskind?

Wie war das eigentlich bei dir? Wie hast du das gemacht? Vielleicht konntest du ja gut zuhören – und zwar Gott. Das ist wirklich eine Gnade, wenn man gut zuhören kann. Man darf nicht abgelenkt sein, so wie ich oft. Übrigens auch nicht von den eigenen „tollen“ Gebeten. Wie kann ich Gott zuhören, wenn ich selbst dauernd rede – da kann sich nicht einnmal Gott Gehör verschaffen – und das will was heißen. Also zuhören ist bestimmt wichtig, in sich hineinhorchen… Ich glaube, ich muss viel stiller werden und konzentrierter auf mich und Gott in mir. So, wie du bestimmt in deinem Leib auf dein Kind, den Gottessohn gehört hast, auf seine Herzschläge, auf seine kleinen Bewegungen… so muss auch ich hören, hineinhorchen in mich, dann regt sich bestimmt auch in mir – Gott.

So wie du, muss wohl auch ich noch mehr und intensiver mit dem Gedanken schwanger gehen, dass Gott ja „in mir steckt“. Dass ein Funke Gottes, eine kleine Spur von Gott in mir ist, weil ich ein Kind Gottes bin. Das ist doch ein sehr tröstlicher Gedanke, sicher auch für dich.

Liebe Maria, du weißt, am Donnerstag ist dein Geburtstermin. Und du ahnst sicher auch: das wird kein Kindergeburtstag. Du bist nicht in deinem sicheren Zuhause, du bist unterwegs. Deine Geburt wird nicht in einem schönen Kreissaal stattfinden, sondern in einem Stall. Und gleich wirst du wieder fliehen müssen und das ist erst der Anfang deines Lebens als Mutter – als Gottesmutter. Ja, das ganze Leben ist eigentlich kein Kindergeburtstag.

Du aber hasst schon vor 9 Monaten voll Vertrauen zu dem Engel gesagt: „Es geschehe so, wie es vorgesehen ist.“ Woher nimmst du diese Kraft und dieses Vertrauen Maria? Woher? Wahrscheinlich von dem Kind, vom Gotteskind, das sich immer wieder in dir regt und das du wahrnehmen kannst, weil du ganz bei dir bist und nachspürst und lauschst. Das gibt dir Kraft. Die Gewissheit: ER ist DA, Jesus; dieser Name „Jesus“, den du bewusst ausgesucht hat, weil er bedeutet: Gott rettet.

Dieses Kind nimmt dir die Angst, wie es der Engel gesagt hat: Fürchte dich nicht! Liebe Maria, hilf mir, dass auch ich empfänglich bin und das göttliche Kind in mir spüren kann, das da heißt: Gott rettet.