Die Chöre singen für dich

132
Michael Derleth

Haßfurt. Zur Christmette um 17 Uhr versammelte sich eine außergewöhnlich große Zahl Gläubiger in der Ritterkapelle. In feierlich eingetauchtes Kerzenlicht und rötlichen Tönen leuchtete der Kirchenraum, als Kaplan Michael Schmitt mit über 30 Ministranten einzog.

Nach dem Lied „Auf Christen singt fröhliche Lieder“ stimmte der Kaplan mit der Ankündigung des Festes aus dem Martyriologium auf die Feier der Geburt Christi ein. Mit dem Kyrieruf begrüßte die Gemeinde den Herrn und pries ihn als das Licht, das uns erschienen ist. Zum festlich gesungen Gloria wurde der Christbaum erhellt. Auch die Lesung nach Jes 9, 1-6 nahm das Motiv des Lichtes auf, wurde noch konkreter in der Freude der Menschen auf den Heiland: „Du erregst lauten Jubel und schenkst große Freude“. Die zweite Lesung Tit 2, 11-14 deutet jedoch auch schon das Erlösungswerk des Herrn an: „Er hat sich für uns hingegeben, um uns von aller Schuld zu erlösen“.

In der Predigt beschrieb Kaplan Michael Schmitt die Sehnsucht der Menschen an Weihnachten nach ungestörter Herrlichkeit. Doch die Wirklichkeit sieht leider anders aus, der Terroranschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt am vergangenen Montag, der Krieg, der schon seit fünf Jahren in Syrien tobt, Menschen werden krank und Kinder sterben. Auch Misstände in der Arbeitswelt und bei den Renten deutete der Priester an. Die Hl. Familie erlebte seinerzeit ebenfalls große Bedrängnisse „und das Kind war auch den Mächtigen ausgeliefert“, erklärte Kaplan Schmitt. Die Gefahr der Steinigung, hätte Josef nicht die Vaterschaft angenommen, die Geburt im Stall und die Flucht nach Ägypten wegen Todesgefahr nannte der Kaplan. Doch der menschgewordene Gottessohn nahm das Kreuz auf sich und durchbrach den Teufelskreis der vererbten Schuld. Symbolisch befreite Kaplan Schmitt das Kind in der Krippe vor dem Altar von den Schnüren, an denen es hing. Den Leidensweg Jesu habe ein Künstler in einer Auftragsarbeit für eine Pfarrgemeinde auch damit angedeutet, dass er das Kind in der Krippe mit einer Dornenkrone geschnitzt habe. Trotz aller Widrigkeiten dieser Tage machte Kaplan Schmitt Mut: „Wenn uns wieder das Entsetzen überkommt, weil wir Ungerechtigkeit spüren oder den Teufelskreis von Terror und Gewalt aushalten […] dann dürfen wir auf die einladenden Arme des Kindes schauen“. Zum Abschluss der Predigt rollten die Ministranten noch den roten Teppich vor der Krippe des Altares aus, symbolisch als Einladung des Christuskindes an alle Menschen.

Zum Abschluss sang die Gemeinde „O du fröhliche“ und Kaplan Schmitt lud die Gläubigen ein, einen Strohhalm als Rettungshalm aus der Krippe mit nach Hause zu nehmen. Die Schola des Kirchenchors St. Kilian und eine Trompete sorgte für den festlichen Rahmen des Gottesdienstes. Mit dem klassischen „Stille Nacht“ in nur noch kerzenerleuchteter Kirche endete die Feier der Heiligen Nacht.

TEILEN