Faschingspredigt von Pfr. Eschenbacher

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Aus dem Heiligen Evangelium nach Markus

In jener Zeit kam ein Aussätziger zu Jesus und bat ihn um Hilfe; er fiel vor ihm auf die Knie und sagte: Wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde. Jesus hatte Mitleid mit ihm; er streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: Ich will es – werde rein! Im gleichen Augenblick verschwand der Aussatz, und der Mann war rein.

Liebe Schwestern und Brüder!
Ich geh neulich zum Metzger und will mir ä Brotzeit kauf,
seh ich am Eingang ä Schild, mit äm Hündlä drauf,
drauf steht – ganz unten – das muss wohl so sein,
damit’s auch der klennste Hund läs kann: „Ich darf hier net rein.“
Ich denk noch: warum müssn die Hünd wohl darauf verzichten?
Ach ja, wahrscheinlich wegen derä Hygienevorschriften.
Denn ens des is klar, darauf könnet ich wett,
Wurst mit Flöh, des schmeckt einfach net.

„Ich darf hier net rein“ der Spruch gilt ohne gleichen,
net nur für Hünd, sondern auch für uns Menschen in vielen Bereichen.
Vor 2000 Jahren zum Beispiel, wir hams grad im Evangelium gelesen,
waren die Aussätzigen von der G’sellschaft ausg’schlossen gewesen.
Die G’sunden ham g’sagt: „Bei uns kommt ihr net rein„, des war bekannt,
deswegen hat mer die Aussätzigen damals auch „un-rein“ genannt.
Es waren arme Kerl, des muss mer wirklich sag,
das Leben war für die ä richtige Plag.
Zum einen die Krankheit, da gibt’s Flecken auf der Haut, die juck’n fei wahr,
am liebsten möchst dä da aus deiner „eigenen Haut gleich fahr“.
Zum zweiten du wirst wegg’sperrt, draußen vor der Stadt,
damit wirklich kenner mehr was mit dir zu tun hat,
gehst da ä mal in die Stadt und es begegnet dir einer dann,
musst dä ruf „unrein, unrein“, damit der den Gehsteig wechsel kann.
Die Angst is einfach zu groß, die Krankheit wird sich weiter verbreiten,
du steckst dich a und gehörst selbst zu den Todgeweihten.
Doch äs dritte, des is äs Schlimmste dabei,
es sagen die Leut: „des muss doch den sei eigene Schuld sei,
der hat bestimmt was ausg’fressn“ – und dann – mir kenners – wird weiter gewaft,
„und jetzt hat nä der liebe Gott dafür bestraft.“

Das war schrecklich damals, Gott sei Dank leben wir im jetzt und hier,
heut gibt’s kenn Aussatz mehr – des gläbt a bloß ihr!
Gut, die Krankheit ham mer bei uns im Griff, da is was dran,
z.B. weil der Hund nimmer nein Metzgerladen kann,
aber in unserm Denken, in der Gesellschaft, in unseren Dörfern und Städten,
glaubt mer’s – gibt’s immer noch Aussatz, in ganz vielen Facetten.
Heut sinn’s nimmer die schwarzen Flecken auf der Haut, die dann wachsen mächtig,
heut macht dich zum Beispiel ä annere Hautfarb verdächtig.
Asylanten, Ausländer, kinderreiche Familien, glaubt mer’s ihr Leut,
wer sich nix leist kann, arme Schlucker, des sind die „Aussätzigen“ von heut.
„Die ham alle Dreck am Stecken, die wolln mer net“, so heißt’s dann unverhohlen,
„unser Städlä muss sauber bleib“, so die billigen Stammtischparolen.

Dann gibt’s annerä, die werd’n bloß g’stellt, verächtlich gemacht,
weil se net so sinn, wie die meisten es woll’n oder sich gedacht.
„Mit dem stimmt was net, der is annersch“, wird dann erzählt,
und scho bist dä von heut auf morgen an den Pranger gestellt.
Den Ruf „unrein, unrein“ brauchst dä dann net,
des erledigt heut WhatsApp, Facebook und des Internet.
Wenn ich mir des Ganze so betracht, da möcht ich ä mal wiss,
was der Unterschied zum Aussatz von früher is.

Aber genug gemeckert, jetzt geh’n wir mal ran,
und schaun uns ä positives Beispiel an.
Wer könnt’n des sei, gut des ist net so schwer,
nemmer uns einfach mal den Jesus vom Evangelium her.
Für uns ist ER immer ein Vorbild, wie ihr ja wisst,
warum?, naja, weil er der Sohn Gottes ist.
Zuerst fällt mer auf und des begreif ich erst net,
dass der Jesus gar net auf den annern Gehsteig get.
Der Aussätzige schreit „unrein, unrein“ und des lässt mer kee Ruh,
der Jesus, der geht trotzdem weiter auf nä zu.
Er berührt ihn, und des zeigt mir – da bin ich platt,
dass Jesus überhaupt kee Berührungsängste hat.
ER geht auf Fremde zu, auf Aussätzige, vorurteilsfrei,
des sollte auch für uns ein großes Vorbild sei.
Dagegen bei uns es ja oft nach dem einen Prinzip get,
„was der Bauer net kenn, des frisst er net!“
Dabei is des so wie bei Jim Knopf und dem Riesen – ich wess net ob dä dich erinner kannst
je näher du dem kummst, desto klenner wird der und du verlierst dei Angst.
Also probier’s ä mal aus, geh auf Fremde zu,
gläb mers, scho sinn die gar nimmer so fremd im Nu.
Ihr entdeckt vielleicht Gemeinsamkeiten, wert einander vertraut,
und scho hat sich sogar ä Stück Vertrauen aufgebaut.

Der Jesus macht quasi mit einem großen Wisch,
einmal so richtig „reinen Tisch“.
Denn zu seinem Tisch bei vielen Mählern lädt er alle ein,
arme und reiche, Sünder und Fromme, unrein oder rein.
Und er zeigt damit, das ist mir besonders lieb,
vor Gott gibt es keinen Unterschied.
Weil alle Kinder Gottes sind, deshalb liebt ER alle gleich,
bei Gott hat jeder Zugang – zum Himmelreich.

Der Jesus ist wirklich für alle Menschen da,
und zeigt uns dadurch, Gottes Heil ist allen nah.
Wenn Gott das Heil will für alle, und das unbeirrt,
dann muss sich unser Denken ändern, das heut noch durch so manche Köpfe schwirrt.
Eine Krankheit ist schrecklich, unbegreiflich oft aus uns’rer Sicht,
aber eines ist sicher: „Eine Strafe Gottes ist sie nicht!“

An eines sei nun zum Abschluss noch gedacht,
und darauf seid durch das Evangelium besonders bedacht,
es gibt nur einen, der sagen kann: „Du bist rein!“
und das ist Jesus im Namen Gottes, und so soll’s auch sein.
Nur Gott hat wirklich letztlich das Recht,
zu sagen: der ist gut und der ist eher schlecht.
Das heißt dann für uns, ich sag’s ohne Verdruss,
und zieh jetzt aus der frohen Botschaft den Umkehrschluss,
wir sollten endlich aufhören, bei anderen Erbsen zu zählen,
und ständig über unsere Mitmenschen ein Urteil zu fällen.
Das steht uns nicht zu, das kann es nicht sein,
schau anstatt auf andere – lieber in dich selber rein.
Des wär ä mal ä Fastenvorsatz und für viele sicher ein Segen,
6 Wochen lang über kenn zu urteilen oder über annerä schlecht zu reden.
So mancher müsst dann wohl – ich muss fast lach,
6 Wochen lang Schweigeexerzitien mach.

Und so lehrt uns das Evangelium heut einiges doch,
z.B. „Aussätzige“ gibt es immer noch,
hier im Kopf, im Denken von so vielen,
das rauszubringen müssen wir im Namen Gottes anzielen.
Mit Blick auf Jesus sollten wir deshalb offene Gemeinde sein,
da gibt’s nicht: „der soll raus und der gehört rein“.
Nein, alle soll’n sich dazugehörig fühlen, das ist doch klar,
dann wär’s wie im Evangelium ein Wunder, weil einfach wunderbar.
Arbeiten wir mit allen Kräften dran, in Gottes Namen,
dann wird Reich Gottes wachsen, in Ewigkeit. Amen.

 

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