Faschingspredigt von Pfr. Stephan Eschenbacher

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Hans-Martin Mantel

Die Predigt bezieht sich auf das Tagesevangelium: Jesus heilt einen Aussätzigen (Mk 1,40-45).

Drei Anläss gibt’s heut, an ähm Tag, des soll wohl so sei,
des is fast ä bisslä, wie beim Überraschungsei.
Aber ich frag mich ganz ehrlich – und ich bin ja net dumm,
was hab’n „Fasching“, „Valentin“ und „ä Aussätziger“ miteinander zu tun.
Puh, da muss ich überleg – aber ich kann’s halt net lass,
vielleicht kann mer die drei in diesem Merksatz zusammenfass:
„Eine narrische Liebelei, die Blumen an St. Valentin sendet,
ist schon manchmal in häuslicher Quarantäne geendet.“
Wer damals aussätzig war, wurde ja nicht nur verbannt,
der wurde auch von allen anderen „un-rein“ genannt.
Unter diesem Aspekt dichte ich jetzt weiter ganz munter,
und krieg nun in einem anderen Merksatz alle drei unter:
„Wer nur an Valentin was schenkt, und sonst ist ihm sein Schatz einerlei,
der muss ein Narr sein, der kann net ganz sauber sei.“

Gut – des is alles ä weng gekünstelt, deshalb will ich in guter Manier,
mich bei der Predigt erst ä mal auf das Evangelium konzentrier.
Dort wird – wir habn’s grad gehört – als Jesus in einer Stadt verweilt,
sofort ein Aussätziger von ihm von seiner Krankheit geheilt.
Früher, wie ich über die Stell gepredigt hab – ich sag’s, wie es is,
hab ich immer erklär müss, was ä Aussatz is.
Ä ansteckende Krankheit, oft tödlich, die Leut leiden sehr,
und dann immer der Satz: Gott sei dank gibt’s des bei uns nimmer mehr.
Abstand halten, G’sicht verhüllt, Quarantäne – so wollt mer damals dem Aussatz habhaft wern,
des alles ist heut, dank Corona, wieder modern.
Und so gibt uns des Beispiel zu denken ganz tief,
bis heut hab’n wir Menschen eben net alles im Griff.
Dass der Mensch denkt, er kann alles und dann g’scheit auf die Nas’n fällt,
des gab’s scho immer, da verändert sich nix auf derä Welt.

Und noch was hat sich net verändert, das glaubt mir gern,
nämlich dass Menschen als „Aussätzige“ ang’sehen wern.
Gut, die Krankheit gibt’s bei uns nimmer, da is was dran,
zum Beispiel weil die moderne Medizin vieles bewirken kann.
Aber in unserem Denken, hier im Kopf, ganz tief drinnen,
glaubt mer’s – gibt’s immer noch Aussatz, was wir uns da zusammenspinnen.
Heut sinn’s nimmer die schwarzen Flecken auf der Haut, die wachsen mächtig,
heut‘ macht dich zum Beispiel ä annere Hautfarb‘ verdächtig.
Asylanten, Ausländer oder Fremdartige, glaubt mer’s ihr Leut,
oder kinderreiche Familien, Hartz IV, des sind die „Aussätzigen“ von heut.
„Die ham Dreck am Stecken, oder sinn faul, die woll’n mer net“, so heißt’s dann unverhohlen,
„unner Städlä muss sauber bleib!“, so die billigen Stammtischparolen.
Wer damals „aussätzig“ war, war nicht nur mit der Krankheit betraut,
der wurde von allen anderen auch schief angeschaut.
Auch des gibt’s heut, Menschen wer’n bloßg’stellt, verächtlich gemacht,
weil se net so sinn, wie die meisten es woll’n oder sich gedacht.
„Mit dem stimmt was net, der is annersch“, wird dann erzählt,
und scho bist dä von heut auf morgen an den Pranger gestellt.
Den Ruf „unrein, unrein“ von damals brauchst dä dann net,
des erledigt heut Twitter, Facebook und des Internet.
Tja, dass Leut ausg’stoßen wern, dass mer sich von annere fernhält,
des gab’s scho immer, da verändert sich nix auf derä Welt.

Früher hab’n die Menschen gedacht und des is kee Mähr,
dass der Aussatz tatsächlich eine Strafe Gottes wär.
Sie habn’s vielleicht net besser gewusst – hier heut‘ kein Urteil zählt,
dafür schau mer lieber mal auf unsere, ach so aufgeklärte Welt.
Verschwörungstheorien, Coronaleugner, Querdenker, die gibt’s heut,
wo is da der Unterschied zu damals – sagt mer’s ihr Leut!
Es gibt Menschen, die glauben allen Ernstes gewiss,
dass Donald Trump der Retter der Welt und der Erlöser is.
Es gibt Menschen, die glauben – ich kann’s mer nicht erklär,
dass Corona ä harmloser Schnupfen wär.
Kee Krankheit ist eine Strafe Gottes, des is klar,
aber auch diese ganzen modernen Spinnereien sinn eben net wahr.
Im Gegensatz zu früher kann mer sich aber heut gut und seriös informier,
und net einfach die Tatsachen leugnen oder gar ignorier.
Aber Spinner und än Hauf’n, der auf die dümmsten Ideen reinfällt,
die gab’s scho immer, da verändert sich nix auf derä Welt.

Ja, bleibt dann alles beim Alten, des frag ich jetzt bloß,
ist Stillstand und „immer dasselbe“ der Menschen Los?
Das wäre bitter, und unerträglich schier,
wenn es nur immer hieße: „Und ewig grüßt das Murmeltier“.
Gott sei Dank haben wir Jesus und das Evangelium, es zeigt uns sodann,
wie eine Haltung und eine kleine Geste, eine Welt verändern kann.
Der Aussätzige damals hat’s schwer – und das ist ein Graus,
denn dem weicht wirklich jeder nicht nur auf der Straße aus.
Er ist – und das macht ihn sehr verdrossen,
von jeglicher Gesellschaft komplett ausgeschlossen.
Wir haben’s schon gesagt, vorne in der Predigt irgendwo,
das geht – ohne Aussatz – vielen Menschen auch heute so.
Doch Jesus – und das ist nun wirklich ein Segen,
hat Mitleid und streckt dem Aussätzigen seine Hand entgegen.
Er zeigt damit als Sohn Gottes unverdrossen,
vor Gott ist eben niemand ausgeschlossen.
Und wer meint „ich bin rein“ und der andere net, deshalb ist der verkehrt,
der wird von Jesus eines besseren belehrt.
Wer rein oder unrein ist, das hat allein Gott zu bestimmen,
wir sollten uns eher auf unsere Geschwisterlichkeit besinnen.
Denn wenn wir alle Kinder Gottes sind und das sollten wir ernster nehmen,
dann kommt mir in jedem Menschen Gott selbst entgegen.
Deshalb sagen wir in Bayern immer ganz flott,
wenn wir jemand grüßen, ganz freundlich: „Grüß Gott!“
Wenn diese Botschaft in unser Hirn reinginge, das wäre ein Segen,
dann könnt sich niemand mehr über den anderen erheben.
Und wenn diesem Beispiel Jesu viele folgen würden, in allen Ländern,
das, ja das, würde die Welt komplett verändern.
Doch schau nicht wieder auf die anderen, das ist jetzt nicht dran,
schau lieber auf dich selbst und fang bei dir selber damit an!

Und so bring ich zum Schluss jetzt was Sinnvolles zam,
was „Valentin“, „Fasching“ und „ä Aussätziger“ gemeinsam ham.
Es ist ein Schuss Humor und nur die Liebe, die zählt,
was von Grund auf so richtig reinigt diese Welt,
von Hass und Ausgrenzung – das wär doch gelacht,
der Jesus, der hat es uns vorgemacht.
Versuchen wir Jesus darin zu folgen, in Gottes Namen,
dann ändern wir die Welt, bis in Ewigkeit. Amen.