Gespräch über die „Pastorale Zukunft 2030“

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Michael Derleth

Am Mittwoch, den 23. Februar 2017 kamen die Pfarrgemeinderäte der PG St. Kilian zusammen, um sich über die diözesanen Pläne zur „Pastoralen Zukunft 2030“ auszutauschen.

Pfarrer Stephan Eschenbacher begrüßte die etwa 35 Verantwortlichen, die sich an diesem Abend im Pfarrsaal von Königsberg eingefunden hatten. Der Dekanatsrat und die Seelsorgekonferenz des Dekanates Haßberge möchten möchte durch eine planvolle und selbstbestimmte Dekanatsentwicklung den nötigen Umbruch in die Pastoral der Zukunft gestalten. Dabei soll der Dialog mit den verantwortlichen Ehrenamtlichen in den Pfarreien und Gemeinden gepflegt werden und Ideen und Vorschläge eingebracht werden.

Dekan Stefan Gessner betonte die Möglichkeit zur Mitsprache in diesem Prozess und wünschte sich eine rege Beteiligung an der Diskussion.

Im Hauptteil des Abends sprach Günter Schmitt, Dekanatsreferent für die Haßberge, in einem Vortrag über die sich verändernde Situation der Kirche und die Planungen und Ideen der Bistumsleitung. Doch zuvor fragte er in die Runde, welche Gefühle die Pfarrgemeinderäte zu dem bevorstehenden Wandlungsprozess haben. Der Tenor war skeptisch, kritisch, aber auch hoffnungsvoll. Günter Schmitt verwies auf den Brief des Bischofs, in welchem er die Gläubigen auffordert, „die Vakanzzeit zu nutzen, um pastorale Räume gemeinsam zu gestalten, verschiedene Formen auszuprobieren, Erfahrungen zu sammeln, gemeinsam auszuwerten, um dann mit meinem Nachfolger auf der Basis dieses Erfahrungsschatzes eine Entscheidung über ein strukturelles Format treffen zu können“. Ermutigend sei diese eindeutige Aufforderung zur Beteiligung und der Möglichkeit, mitzugestalten als nur etwas Neues von oben „übergestülpt“ zu bekommen.

Der Umbruch in den Gemeinden leite sich ab von der sich verändernden Gesellschaft, einem veränderten Kirchenbewusstsein, einem Umbruch in den pastoralen Berufen und nicht zuletzt einer Veränderung des Engagements in den Gemeinden, führte der Dekanatsreferent an. Konkret zeige sich das daran, dass viele starke Priesterjahrgänge, die nach dem zweiten Weltkrieg ausgeweiht wurden, nun nicht mehr aktiv Pfarreien leiten können und in den Ruhestand gegangen sind, erklärte Günter Schmitt. Auch ein Rückgang der Gläubigen im Bistum ist zu verzeichnen; von derzeit etwa 730000 Katholiken werde für das Jahr 2030 ein Rückgang auf etwa 600000 erwartet. Der Rückgang gesellschaftlicher Beteiligung zeige sich nicht nur in der Kirche, sondern auch in den Vereinen. Das Bindungsverhalten an Kirche äußere sich nunmehr eher an Lebenswendepunkten wie Hochzeit, Taufe, Krisen und den Hochfesten, wusste der Pastoralreferent und Gemeindeberater zu berichten.

Eine wichtige Frage drehte sich darum, ob die Kirche im wahrsten Sinne des Wortes im Dorf bleibe. Die Bildung der Pfarreiengemeinschaften war nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zu noch größeren Einheiten. Dabei soll aber nach den Plänen des Bistums die Gemeinde im Mittelpunkt stehen und besonders gefördert werden. Unter Gemeinde sei in diesem Zusammenhang nicht nur eine örtliche Bindung zu sehen, sondern auch einzelne Gruppen wie ein Chor, ein Seniorenkreis, die Gottesdienstgemeinde im Krankenhaus oder die Kreuzbergwallfahrt, ergänzte Dekanatsreferent Günter Schmitt. Die Pfarrei bilde künftig den Rahmen mit einer eindeutigen Leitung, einer klaren und effizienten Organisationsstruktur und der Sicherstellung der Dienstleistungen. Große Pfarreien mit größeren Teams würden Personalausfälle leichter handhaben können als die aktuellen Strukturen, wo dann unter Umständen das gesamte System einer Pfarreiengemeinschaft zusammenbreche. In den Haßbergen sei die Situation, für die ein Konzept entwickelt wurde, immer bereits schon eingetreten gewesen. Der Priestermangel trete in den ländlichen Regionen zuerst zutage. Angedacht sei auch die Schaffung von Verwaltungsstellen, die mit professionellem Personal die Aufgaben wie die Betreuung von Kirchenstiftungen und Kindergärten übernehmen könnten. Dies würde die Seelsorger entlasten und vor allem die Priester hätten mehr Zeit für die eigentlichen Seelsorgeaufgaben.

In der anschließenden offenen Runde konnten sich die Pfarrgemeinderäte zu den Ideen und Planungen äußern. Angesprochen wurde hier die scheinbar hohe Anzahl von Priestern in der Domstadt, während auf dem flachen Land die Seelsorger fehlten. Konkret benannt wurden hier die Fronleichnamsprozessionen. Die Vorwürfe wurden jedoch widerlegt, es handele sich hier um eine gemeinsame Prozession aller Innenstadtgemeinden. Betont wurde mehrfach, dass die Verwaltungs- und Gemeindeleitungsaufgaben durch Hauptamtliche erledigt werden sollten. Ehrenamtliche allein könnten dieses Arbeitspensum nicht stemmen. Angemahnt wurde in diesem Zusammenhang auch, die finanziellen Mittel für solche Grundaufgaben zu verwenden und weniger in prestigeträchtige Bauprojekte. Die Diskussion verlief insgesamt sachlich und ruhig.

Zum Abschluss des Abends las Pfarrer Eschenbacher ein Gebet und gab den Segen. Mit einem Dank fürs Kommen und die rege Beteiligung verabschiedete er die Räte.

Links:
Glut des Glaubens unter veränderten Bedingungen aufleuchten lassen
Brief des Bischofs an die Gläubigen
Radio: „Ich will die Leute ermutigen“

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