Haudegen in der Ritterkapelle

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Haßfurt. Zwei bis oben hin tätowierte, anscheinend harte Jungs der Deutschrock-Szene in einer Kirche… geht das? Ja, es geht und sogar sehr gut. Dies zeigte ein beeindruckender Abend mit Sven Gillert und Hagen Stoll, ehemalige Rapper, jetzt Frontmännern der Band „Haudegen“, in der Ritterkapelle in Haßfurt. Beide sind in Marzahn, einer Ostberliner Plattenbausiedlung großgeworden und gründeten 2010 die Band Haudegen, die Rockmusik in bester Liedermacher-Tradition spielt. Ihr letztes Album „Lichtblick“ stieg bis auf Platz 2 der deutschen Charts. Gillert und Stoll lasen in der Ritterkapelle ausgewählte Kapitel aus ihrem neuen Buch „Zusammen sind wir weniger allein“ und sangen dazu passende Lieder, nur von einem Gitarristen begleitet. Der Konzertabend wurde ausgerichtet und organisiert vom Verein rock hassfurt e.V. In ihren sehr persönlichen Erzählungen kamen die Musiker auf ihre harte Jugend in Marzahn, in der es galt sich durchzusetzen und auf ihre Großväter, buchstäblich Haudegen, die ihnen das Leben lehrten. Sie handelten auch von den „Opfern“ des Musikerlebens und Merkwürdigkeiten in der Musikbranche. Schließlich gaben sie aber mit dem Abschlusskapitel ihres Buches den etwa 200 Besuchern des Konzertes auch eine Botschaft mit auf den Weg: „Wir befinden uns in einem Umbruch. Wir öffnen unsere Tore für Flüchtlinge, und wir haben allen Grund, sie freundlich aufzunehmen.“ In ihrem Buch raten sie deshalb: „Komme mit Respekt und gehe mit Respekt. Unterschätze keinen, verachte keinen, missachte keinen.“ Eine Botschaft, die in einer Kirche mit dem Blick auf das Kreuz Jesu mit Sicherheit einen guten Platz hat.

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