Neue Wege in der Taufpastoral

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Bild: Ulrich Kneise

Predigt zum Fest „Taufe des Herrn“

Liebe Schwestern und Brüder!

Heute, am Fest „Taufe des Herrn“, wollen wir über die Taufpastoral in unserer Pfarreiengemeinschaft nachdenken; im Rahmen dieser Predig sollen dazu einige Denkanstöße weitergegeben werden.

Äußerer Anlass dafür ist, dass der Taufgesprächskreis, also jener Kreis von ehrenamtlichen Frauen, die in den letzten 15 Jahren hauptsächlich die Taufpastoral mitgetragen haben, sich auflöst. Nach so langer Zeit ist das ein natürlicher Vorgang und soll ohne „schlechtes Gewissen“ vollzogen werden dürfen. Ganz im Gegenteil: Ich bin den ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen in der Taufpastoral außerordentlich dankbar für ihr überaus großes Engagement in diesem Bereich. Trotz intensiver Suche haben sich jedoch nicht genügend Interessenten für eine Fortführung des Taufgesprächskreises gefunden.

Darüber hinaus haben sich in den letzten Jahren weitere Veränderungen ergeben, die auch die Taufpastoral einer Gemeinde betreffen und vermutlich einen neuen Ansatz erfordern:

  • Nach wie vor bittet die überwiegende Mehrheit der Eltern um die Taufe ihres Kindes. Dies ist zunächst einmal positiv festzustellen. Hier drückt sich eine Sehnsucht der Menschen nach religiöser Bindung aus.
  • Die Mehrheit der Eltern aber, die um die Taufe ihres Kinden bitten, haben nur noch eine sporadische Bindung an die christliche Gemeinde. Christliches Leben und christliche Rituale im Kontext von Gemeinde spielen im Alltag vieler kaum oder gar keine Rolle. Das schafft Unsicherheit in religiösen Fragen, wenn nun plötzlich die Taufe des Kindes ansteht.
  • Andersherum kennen die kirchlichen Hauptamtlichen kaum mehr die jungen Familien vor Ort. So kann die Anfrage nach einer Taufe auch eine gute Gelegenheit für die Hauptamtlichen sein, Kontakt in diese Richtung aufzunehmen.
  • Verändert hat sich auch die Motivation von Eltern, warum sie ihr Kind taufen lassen wollen. War früher immer wieder auch genannt worden, „dass das Kind in der Pfarrei groß wird“, so spielt dies heute kaum noch eine Rolle. Eltern nennen heute eher die familiäre Tradition („das gehört doch dazu“) oder die Bitte um den Segen Gottes als Beweggrund. Dies aber ist nur ein Aspekt der Taufe. So klaffen „Erwartungen der Eltern“ und „Anspruch der Gemeinde“ (bzw. der Hauptamtlichen) immer mehr auseinander.
  • Hinzu kommt, dass Lebenssituationen, Familienkonstellationen und Glaubensbiographien sehr viel individualistischer geworden sind. Dies erfordert wohl auch eine individualistischere Taufpastoral.

Die Taufe im Verständnis der Kirche beinhaltet einige Aspekte, die es zunächst zu bedenken gilt:

  • Die Taufe ist das Grundsakrament, weil sich der weitere Glaubensweg darauf aufbaut.
  • Die Taufe ist das Sakrament der Eingliederung in die Kirche. Dies ist kein Nebenaspekt, sondern eigentlich der Hauptaspekt der Taufe. Deshalb macht es Sinn, Taufen nicht als Einzeltaufen zu feiern, sondern in Gemeinschaft mit mehreren Täuflingen oder im Sonntagsgottesdienst. In der Kirche der ersten Jahrhunderte gab es deshalb nur einen Tauftermin: die Osternacht.
  • In der Taufe verbindet sich der Täufling mit Jesus Christus. Sein Leben und Glauben dient ihm fortan als Vorbild für den eigenen Lebensentwurf. Bei der Kindertaufe kommen deshalb Eltern und Paten die wichtige Aufgabe zu, den Täufling in das christliche Leben einzuführen und christliche Werte zu vermitteln.
  • Schließlich schenkt die Taufe natürlich auch die Zusage Gottes, dass der Täufling „sein geliebtes Kind ist“, dem ER seinen Segen und seine Wegbegleitung zusagt. Eine Zusage übrigens, die über das irdische Leben hinausgeht.

Den oben angedeuteten Veränderungen müssen wir uns als Kirche und Gemeinde mit Blick auf die inhaltliche Ausrichtung der Taufe stellen. In einem intensiven Austausch in den Pfarrgemeinderäten ist dies in den letzten Monaten bereits geschehen. Unsere Zielfrage dabei ist: Wie können wir die Taufpastoral in unserer Pfarreiengemeinschaft weiter entwickeln. Wie sieht in Zukunft unsere Taufpastoral im Hinblick auf die vielseitigen Veränderungen (nicht nur gesellschaftlich, sondern auch in unserer Kirche) aus. Einige Aspekte kristallisieren sich dabei im Moment heraus:

  • Die Anfrage von Eltern nach der Taufe ihres Kindes, kann für die Hauptamtlichen ein guter Anknüpfungspunkt sein, mit jungen Familien ins Gespräch zu kommen. Dabei sollte das Gespräch so offen gestaltet sein, dass in erster Linie Lebens- und Gaubensfragen ihren Platz haben.
  • Um die Bindung zur Gemeinde deutlich zu machen, wäre es gut, wenn ein Vertreter/in der Pfarrei bei diesem Gespräch mit dabei wäre. So bekommt die Gemeinde vor Ort für die Taufeltern ein Gesicht; für zukünftige Anfragen ahben sie dann einen unkomplizierten Ansprechpartner der Pfarrei vor Ort.
  • Die Taufpastoral ist als ein längerer Prozess zu sehen und nicht punktuell an einem Taufgespräch festzumachen. Wir begreifen Taufpastoral als einen Weg, der mit einer Schwangerensegnung beginnen kann und bist zur Erstkommunion geht. Markierungen oder Haltepunkte auf diesem Weg wären dann z.B. Krabbel-, Kinder- oder Familiengottesdienste, das Angebot eines Familienwochenendes aber auch die Angebote der kirchlichen Kindergärten bzw. von Familienkreisen oder Jugendgruppen vor Ort. Im Idealfall gäbe es ein Jahresprogramm mit einer Angebotspalette ähnlich dem Programm der „Himmlischen Landschaften“.
  • Die modernen Medien spielen im Leben der Menschen von heute eine wichtige Rolle. In der Nutzung dieser Medien ist sicher in unseren Pfarreien noch „Luft nach oben“. Im Moment sind wir dabei zu klären, ob wir eine Pfarrei-App entwickeln können. Diese könnte hilfreich sein, Veranstaltungen und Impulse an die Taufeltern weiterzugeben bzw. beispielsweise den Ablauf der Taufe über dieses Medium zu vermitteln. Den direkten Kontakt sollen und dürfen sie aber nicht gänzlich ersetzen.
  • In manchen Pfarreien laufen Befragungen von Eltern, was sie von Kirche im Hinblick auf „Taufe“ bzw. „Familie“ erwarten. Umgekehrt muss sich auch die Pfarrei bewusst sein, was sie sich von Eltern wünscht, die um die Taufe bitten.
  • Schließlich sein noch erwähnt, dass es auch eine Taufe in zwei Stufen gibt. Dieses Konzept ist sicher interessant für Eltern, die sich unsicher sind, ob sie ihr Kind taufen lassen wollen. In der „Feier zur Eröffnung des Weges zur Taufe“ danken die Eltern für die Geburt und bitten um den Segen Gottes für ihr Kind. In der darauf folgenden Zeit haben die Eltern und Paten die Gelegenheit, sich mit dem Seelsorger über Glaubensfragen auszutauschen. Haben sie dabei genug Sicherheit gewonnen, folgt die eigentliche „Feier der Taufe“.

Liebe Schwestern und Brüder! Dies sind nur einige Aspekte dessen, was im Moment in unserer Pfarreiengemeinschaft im Hinblick auf die Taufpastoral diskutiert wird. Ich wollte Sie darüber heute gerne informieren mit dem Ziel, dass Sie Bescheid wissen und sich selbst Ihre Gedanken machen können. Gerne können Sie mit einem der Hauptamtlichen oder auch mit den Pfarrgemeinderäten vor Ort darüber ins Gespräch kommen. Für unser weiteres Vorgehen wäre dies sehr hilfreich. Denn im Grunde sind alle Gemeindemitglieder dafür verantwortlich, wie sich der Weg der Eingliederung in die Gemeinde gestaltet. In der nächsten Sitzung des Pfarreiengemeinschaftsteams am 13. Februar werden wir die Beiträge der Gemeindemitglieder bündeln, besprechen und weitere Schritte vereinbaren. Bis zur Entwicklung eines neuen Konzepts „Taufpastoral“ werden als Übergangslösung die Taufspender ein Gespräch im Vorfeld der Taufe führen.

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