2. Advent: Wege aus der Wüste

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Ausgehend von den biblischen Texten des Tages erscheint an jedem Sonntag in der Adventszeit ein geistlicher Impuls.

Siehe, ich sende einen Boten vor dir her, der deinen Weg bahnen wird. Stimme einer Rufers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn! Macht gerade seine Straßen! – so trat Johannes der Täufer in der Wüste auf und verkündete eine Taufe der Umkehr zur Vergebung der Sünden. Er sagte: Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken und ihm die Riemen der Sandalen zu lösen. Ich habe euch mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen. (Mk 1,1-8)

Johannes der Täufer wusste offenbar schon damals um die Wirkung von symbolischen Gesten. Zum Beispiel ist es von ihm bewusst so inszeniert, dass er in der Wüste auftritt. Er weiß: diese Wüstenlandschaft steht symbolisch für die Lebenswirklichkeit so vieler Menschen seiner und unserer Zeit.

Denn Erfahrungen von Wüste machen Menschen zu jeder Zeit in ihrem Leben: zum Beispiel, wenn die eigenen Quellen und Lebensressourcen versiegen, wenn wir uns kraftlos oder ausgelaugt fühlen. Zum Beispiel, wenn so manches brach liegt, was uns sonst das Gefühl von Leben oder Lebendigkeit schenkt. Zum Beispiel wenn wir nicht wissen, wie es weitergeht und in welche Richtung wir uns aufmachen sollen; wenn wir (wie in der echten Wüste) keine Orientierung im Leben haben.

Wüstenzeiten gibt es immer wieder in unserem Leben und auch in unserer Gesellschaft (und übrigens auch in unserer Kirche). Was aber führt uns heraus aus den Wüstenorten unseres Lebens? Johannes sagt: Bereitet dem Herrn den Weg. Oder anders gesagt: Die Wege, die aus unseren Wüsten herausführen, sind die Wege, die Gottes Geist für uns eingespurt hat. Es sind zum Beispiel die Wege der Achtsamkeit und des Respekts, der Nächstenliebe, des Friedens und der Gerechtigkeit, die Wege, die uns mit uns selbst und mit Gott in Kontakt bringen usw.; es sind also die Wege, die Jesus uns vorgelebt hat.

Wüstenzeiten fordern zur Umkehr auf, deshalb verkündet Johannes auch die „Taufe der Umkehr“. Sie fordern uns dazu auf, zu reflektieren, umzudenken und dann neue Wege zu gehen. Wege, die der Geist Gottes uns eingibt. Und wenn wir diese Wege einschlagen, dann dürfen wir sicher sein, dass uns Jesus auf diesen Wegen auch entgegenkommt. „Bereitet den Weg für den Herrn“, heraus aus den Wüstenlandschaften unseres Lebens und dieser Welt. Ich wünsche uns in diesem Sinn einen guten Weg und hoffentlich auch gute Weggemeinschaften.