1. Woche: Mittwoch

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Berufung der Apostel Petrus und Andreas (Duccio di Buoninsegna)

Das Bild „Berufung der Apostel Petrus und Andreas“ stammt von dem italienischen Maler Duccio di Buoninsegna (+ 1319). Es sind die beiden Apostel zu sehen, wie sie mitten in ihrem Alltag als Fischer von Jesus berufen werden, Menschenfischer zu werden. Das Bild ist 1308 entstanden und hängt heute in der National Gallery of Art in Washington, D.C.

Dieses Bild ist im byzantinischen Stil gemalt, also wie eine Ikone, ohne Perspektive. Aber dafür ist es im wahrsten Sinne des Wortes umso tiefgründiger und voller Symbolik.

Auf der linken Seite ist Christus zu sehen auf einer felsigen Landschaft. Ein Berg ist im Hintergrund angedeutet. So, wie Gott dem Mose auf dem Berg Sinai die 10 Gebote mitgeteilt hat, so ist Jesus das Wort Gottes, das zu den Menschen gekommen ist. Seine Bergpredigt schwingt bereits mit. Jesus zeigt mit einer einladenden Geste auf die beiden Jünger Petrus und Andreas. Sie sitzen beide im „gleichen Boot“; sie sind Fischer, das ist ihr Alltag. Petrus wendet sich Jesus zu; seine Handhaltung verrät Offenheit. Andreas dagegen scheint „nur mit einem Ohr hinzuhören“; ist er noch unschlüssig?

Petrus hat ein blaues Gewand an, Andreas ein rotes. Blau steht in der Ikonografie für „Glaube“, rot für die „Liebe“. Es braucht beides, Glaube und Liebe, um sich von Jesus rufen zu lassen, um sich auf seine Nachfolge einzulassen. Jesus hat beides in voller Intensität in sich vereint.

Wozu beruft Jesus die beiden Jünger? Das verrät der Hintergrund, er ist in Gold gemalt. Jesus beruft die Jünger, das Reich Gottes zu erfahren, den „Himmel auf Erden“ zu spüren, mit Gott in Kontakt und Beziehung zu treten.

Ich frage mich:
– mit wem von den beiden Jüngern identifiziere ich mich?
– wo bin ich auf dem Bild zu finden?
– was verbinde ich mit „Glaube“ und „Liebe“?
– kann ich glauben, dass Jesus auch für mich den „Himmel“ bereit hält – und zwar schon im Hier und Jetzt?