3. Woche: Dienstag

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Nazaret heute; Foto: Petra Frosch

Nazaret oder „die Spiritualität des Alltags“
Die „Spiritualität des Alltags“ geht unter anderem auf den Seligen Charles de Foucauld zurück. Foucauld wurde 1858 in Straßburg geboren. Zunächst schlug er eine Militärlaufbahn ein. Mit 16 Jahren hatte er nach eigenem Bekunden jeglichen Glauben an Gott verloren. Mit 25 Jahren unternahm er eine geologische Forschungsreise nach Marokko; dabei war er tief beeindruckt vom Glauben der Muslime. Nach seiner Rückkehr änderte er sein Leben radikal; sein Ziel war es nun, wie Jesus „den letzten Platz“ einzunehmen. Er trat zuerst in den Orden der Trappisten ein, wurde dann Hausknecht in Nazaret und schließlich Einsiedler in der Wüste in Tamanrasset (Algerien) – allein als Christ mitten unter den Tuaregs. Dort kam er am 1. Dezember 1916 gewaltsam zu Tode.

Charles de Foucauld wollte vor allem das verborgene Leben Jesu in Nazaret nachahmen, also die Zeit, als er als Handwerker in seiner Familie lebte, vor seinem öffentlichen Auftritt. Schließlich hat er da, im Verborgenen, die meiste Zeit seines Lebens verbracht. Nach der Vorstellung von Charles de Foucauld hat Jesus hier sicher auch seinen Glauben gelebt. Deshalb geht er als Hausknecht in das Klarissenkoster nach Nazaret. Von dort schreibt er an seinen geistlichen Begleiter Vikar Huvelin: „Ich habe hier gefunden, was ich suchte… wirklich die Nachahmung des verborgenen Lebens unseres Herrn in seiner Unscheinbarkeit, seiner Armut.“

Später erkennt Foucauld, dass in diesem Sinn „Nazaret“ überall ist; er schreibt: „Ein Nazaretleben kann man überall führen; führe es an dem Ort, wo es für die Nächsten am nützlichsten ist.“ Für Charles de Foucauld geht es also darum, an seinem Platz, in seinem Alltag, oft im Stillen und Verborgenen den Glauben zu leben und zu bezeugen; ohne große Worte, sondern bescheiden und ruhig. In einer Betrachtung lässt Charles de Foucauld Jesus zu allen seinen Jüngern sagen (also auch zu uns): „Heiligt die Menschen, indem ihr mich stillschweigend unter sie tragt. Bringt ihnen das Evangelium, nicht indem ihr es verkündet, sondern indem ihr es lebt.“

Am 3. Mai 1912 schließlich schreibt Charles de Foucauld in seiner Einsiedelei: „Man wirkt Gutes nicht nach dem Maß dessen, was man sagt und tut, sondern nach dem Maß dessen, was man ist, nach dem Maß der Gnade, die unser Tun begleitet, nach dem Maß, in dem Jesus in uns lebt… Gott hat sich, um uns zu erlösen, unter uns gemischt, hat in vertrautem, engem Umgang mit uns gelebt… So müssen auch wir uns unter die Menschen mischen.“

Als der Selige gefragt wird, was er mit seiner Lebensweise bezwecken will, sagt er: „Mein Apostolat soll eine Apostolat der Güte sein. Die Leute sollen sich sagen: Wenn dieser Mensch so gut ist, muss auch seine Religion gut sein.“

Die Spiritualität von „Nazaret“ und das „Apostolat der Güte“ kann ein Impuls sein für die nächsten Tage.