3. Woche: Samstag

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Das Jesusgebet
Die Bibel erzählt, wie Maria aus Betanien bei Jesus sitzt und ihm zuhört. Wir dagegen sind oft gewohnt, beim Gebet möglichst viele Worte zu machen. Dadurch laufen wir Gefahr, zu verlernen, Jesus zuzuhören.
Das Jesusgebet hilft mir, mich ganz in der Gegenwart Jesu einzufinden, wie Maria. Es ist von der Bibel abgeleitet und wurde vor allem von den frühen Wüstenvätern (Mönche des 3. und 4. Jahrhunderst) entwickelt und überliefert. Es ist ein sehr einfaches Gebet, das von jedem und jeder, jederzeit ausgeübt werden kann. Allerdings lebt es von der regelmäßigen Praxis.
Der große Vorteil des Jesusgebetes ist, dass es nur um das Dasein vor Gott, vor Jesus Christus geht – sonst nichts. Es ist keine Leistung gefordert. Dadurch kann ich mich innerlich ganz und gar vor Gott „fallen lassen“.

Ablauf
1. Ich suche mir einen Ort und einen Zeitpunkt, wo ich möglichst nicht gestört werde. Für das Jesusgebet nehme ich mir 10-20 Minuten Zeit.
2. Ich setze mich auf einen Stuhl oder auf einen Gebetshocker. Ich nehme eine Gebetshaltung ein, indem ich meine Hände auf die Oberschenkel lege oder wie eine Schale öffne. Ich schließe die Augen.
3. Ich nehme mich und meinen Körper achtsam wahr. Ich spüre, wie ich sitze. Ich gehe in meiner Phantasie meine Wirbelsäule von unten nach oben durch. Ich stelle mir meine Wirbelsäule gesund und licht vor. Ich stelle mir vor, wie mich ein unsichtbarer Faden aufrichtet.
4. Ich achte auf meinen Atem. Wie er kommt und wie er geht. Ich werde ruhig.
5. Ich lege in meinen Atem das Wort Jesus – Christus. Ich sage „Jesus“ beim Einatmen und „Christus“ beim Ausatmen. Dies immer wieder… mehr nicht.
6. Nach einer gewissen Zeit (am Anfang 5-10 Minuten) öffne ich die Augen und „komme gedanklich wieder in den Raum zurück“.
7. Ich nehme wieder bewusst meinen Atem und meinen Körper wahr.
8. Ich schließe ab mit einem Gebet.

Das Jesusgebet – ein Impuls von Wilfried Dettling (SJ)